EU-Suchtpolitik: Vom Verbot zur Schadensbegrenzung

BRÜSSEL und PRAG–(BUSINESS WIRE)–Nationale Gesetzgeber und Experten für Suchtfragen trafen sich gestern in Brüssel, um über die tschechische EU-Ratspräsidentschaft und den besten Weg zur Bekämpfung verschiedener Suchtformen wie Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Abhängigkeit von digitalen Technologien auf EU-Ebene zu diskutieren. Es besteht Einigkeit darüber, dass ein ganzheitlicher, einfühlsamer und realistischer Ansatz zur Unterstützung betroffener Personen im Vordergrund stehen sollte.

„Eine Welt ohne Drogen, Tabak und Alkohol ist nicht realistisch und möglicherweise auch nicht förderlich für die psychische Gesundheit der Menschen. Strenge Vorschriften haben wenig Einfluss auf das Suchtverhalten“, sagte Jindřich Vobořil, nationaler Koordinator für die Drogenbekämpfung, und fuhr fort: „Wir können jedoch effektiv daran arbeiten, die Auswirkungen zu minimieren. Die Suchtpolitik sollte Erwachsenen den Zugang zu weniger riskanten Suchtmitteln ermöglichen und die Menschen ihre eigene Wahl treffen lassen.“

Der Runde Tisch erörterte auch die Perspektive der Suchtbekämpfung und die Rolle, die EU-Einrichtungen wie z. B. die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) in dieser Hinsicht spielen sollten.

„Das Europäische Parlament hat in seinem Bericht über den europäischen Plan zur Krebsbekämpfung ein klares Signal gesetzt, indem es die Bedeutung realistischer, faktengestützter Maßnahmen hervorhob. Die Europäische Kommission sollte auf die Experten hören und einen rationalen und wissenschaftlich fundierten Ansatz verfolgen“, forderte die Europaabgeordnete Radka Maxová.

Viktor Mravčík, wissenschaftlicher Leiter am Institut für rationale Suchtpolitik (IRAP), stellte Beispiele aus der Tschechischen Republik vor, bei denen ein umfassender Ansatz zur Schadensbegrenzung bei Alkohol- und Tabakabhängigkeit zum Erfolg geführt hat. In der anschließenden Diskussion präsentierte Aleš Rod, Mitglied des nationalen Wirtschaftsbeirats und Leiter des Zentrums für Wirtschafts- und Marktanalyse, seine jüngste Studie über bewährte Praktiken im Umgang mit der Tabakabhängigkeit in mehreren Mitgliedstaaten, darunter die Tschechische Republik und Schweden.

„Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass eine drogenfreie Welt nicht möglich ist, sollten wir über die Auswirkungen einer Regulierung nachdenken. Ich appelliere auch an die bevorstehende schwedische EU-Ratspräsidentschaft, sich vorrangig mit diesen Fragen zu befassen und so letztlich Betroffenen in Europa zu helfen, ihre Sucht zu bekämpfen. Schließlich hat Schweden auf diesem Gebiet bereits viel getan“, fügte der schwedische Psychologe und Suchtexperte Karl Fagerstrom hinzu.

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Hinweis für die Redaktio:

Das Institute for Rational Addiction Policies (IRAP) ist ein multidisziplinärer Verband unabhängiger und angesehener Fachleute, die sich der Forschung und Bildung im Suchtbereich aus allen Perspektiven widmen.

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